Landeseinzelmeisterschaft in Quickborn – ein Bericht von Jens

Inspiriert durch den Erfahrungsbericht von Matthias, der sich beim Open in Raisdorf eine erstaunlich hohe DWZ erspielt hat, möchte ich meine Eindrücke von den diesjährigen Landeseinzelmeisterschaften in Quickborn schildern.

Der Ausrichter, die Schachvereinigung Holstein Quickborn von 1926 e.V., hatte anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens ein großzügiges Spiellokal in der Mensa der Comenius-Schule organisiert. Helle Räume, viel Platz und einheitliches Holzspielmaterial (gestellt durch unseren Verein) sorgten eigentlich für beste Spielbedingungen. Umso erstaunlicher war es, dass sich lediglich 50 Teilnehmer – darunter nur eine Spielerin – einfanden.

Für mich begann das Turnier denkbar ungünstig. In der ersten Runde ließ ich mich mit Schwarz gegen Stefan Ueckermann von zwei Mehrbauern verführen, nur um kurz darauf von seinem Angriff regelrecht überrollt zu werden. Auch die zweite Runde gegen Timo Bücker brachte keinen vollen Erfolg – nach zwischenzeitlicher Bauernschwäche einigten wir uns folgerichtig auf Remis.

Mit nur einem halben Punkt aus zwei Partien ging es in den Dienstag. Da ausreichend Zeit zwischen den Runden blieb, nutzte ich die Gelegenheit für einen Abstecher in ein nahegelegenes Lokal – im Nachhinein vielleicht keine gute Entscheidung. Mit vollem Magen spielte ich jedenfalls meine wohl schwächste Partie des Turniers und verlor verdient gegen Till-Bastian Langer.

Der Mittwoch brachte dann endlich die Wende. Gegen Matthias Hölck gelang mir meine beste Partie des Turniers. Meine Bauernwalze entwickelte sich zu einem nicht mehr aufzuhaltenden Freibauern – ein schöner Sieg und dringend benötigter Motivationsschub.

Es folgte die längste und wohl spannendste Partie des Turniers gegen Matthias Behrendt. In einer vielversprechenden, aggressiven Stellung drohte die Partie nach dem Damentausch zu kippen. Doch mein gut positionierter Turm hinter seinem Freibauern sicherte mir schließlich das Remis.

Auch die Partie gegen Matthias Mikonauschke verlief ausgeglichen. Nachdem ich meine isolierte Bauernschwäche stabilisieren konnte, war auch hier ein Remis das logische Ergebnis. In der Schlussrunde wartete mit Helmut Krause nochmals ein Spieler aus den Top 5. Dessen Angriffsbemühungen konnte ich jedoch souverän neutralisieren, sodass auch diese Partie remis endete.

Mit insgesamt 3 Punkten aus 7 Partien erreichte ich meinen Setzlistenplatz (19 von 26) und kann damit insgesamt zufrieden sein – auch wenn sicherlich noch Luft nach oben bleibt.

Erfreulich war das Abschneiden unserer Vereinskollegen: Julia und Christian erzielten jeweils starke 4 aus 7, während Andreas auf 2 aus 5 kam. Kurioserweise kam es bei vier Teilnehmern unseres Vereins zu keinem einzigen internen Duell.

Neben dem sportlichen Geschehen möchte ich auch ein paar Worte zum organisatorischen Rahmen verlieren. Trotz der grundsätzlich guten Voraussetzungen gab es einige Punkte, die verbesserungswürdig erscheinen. So wirkte ein Vorlauf von bis zu 1,5 Stunden bis zur Auslosung übermäßig lang, insbesondere bei einem vergleichsweise kleinen Teilnehmerfeld.

Auch die Nachbereitung hatte einen gewissen nostalgischen Charme: Neben den Tabellen in Papierform erhielt ich eine Urkunde für den 19. Platz – und sogar eine CD, deren Inhalt mir bis heute ein Rätsel ist (und für die mir schlicht das passende Laufwerk fehlt).

Das Catering vor Ort war leider ebenfalls eher schlicht gehalten. Angesichts der langen Spielzeiten wären etwas abwechslungsreichere und frischere Speisen wünschenswert gewesen, zumal eine voll ausgestattete Küche vorhanden war.

Fazit: Die Landeseinzelmeisterschaft in Quickborn bot hervorragende räumliche Bedingungen und ein engagiertes Organisationsteam, ließ jedoch in einigen Details noch Luft nach oben. Bleibt zu hoffen, dass sich im kommenden Jahr mehr Spieler motivieren lassen, an der LEM teilzunehmen – die Voraussetzungen dafür sind zweifellos gegeben.


Aus Sicht der Schachfreunde Wilstermarsch & Itzehoe möchten wir, als Vorstand, zudem einen Punkt anmerken: Der Schachverband hatte unser Angebot grundsätzlich angenommen, die LEM kostenfrei mit unseren DGT-Brettern live ins Internet zu übertragen – ein Angebot, das sicher einen zusätzlichen Mehrwert für Spieler und Interessierte dargestellt hätte. Die geplante Übertragung konnte jedoch kurzfristig, zwei Tage vor Turnierbeginn, aus organisatorischen Gründen im Zusammenhang mit den Gegebenheiten vor Ort (seitens der Schule) nicht umgesetzt werden. Hier stehen wir vor einem Rätsel des Wieso?

Unabhängig davon bleibt festzuhalten, dass der Verband auf die Startgeldeinnahmen angewiesen ist und daher keine Freiplätze vergeben konnte. Wir hatten hier nur gefragt, ob es nicht als kleine Geste möglich wäre unsere jugendliche Spielerin Julia eine kostenfreie Teilnahme zu ermöglichen. Im Hinblick auf die Förderung des Nachwuchses – insbesondere, da durch die ursprünglich geplante Übertragung keine zusätzlichen Kosten entstanden wären – ist dies aus unserer Sicht bedauerlich.

Zwar wurde im Vorfeld ein Präsentkorb mit Süßigkeiten für die Jugendarbeit in Aussicht gestellt für die geplante Übertragung, doch am Ende blieb es bei einigen Stiften. Die Begeisterung unserer Kinder hielt sich dementsprechend in Grenzen.